Schlachtfelder von Verdun erkundet

Realschüler besuchen den Schauplatz europäischer Kriegsgeschichte und Versöhnung in Frankreich

7. Juli 2017

Extreme Enge, schlechte Luft, Wassermangel und Dauerbeschuss: Die Belastungen und die Not der Soldaten im Fort Douaumont waren extrem.

Kaisersesch: Kriege gehören in Mittel- und Westeuropa seit mehr als sechs Jahrzehnten der Vergangenheit an. Und dennoch zeigen die aktuellen Ereignisse in den Krisenregionen der Welt, wie wichtig die Friedenserziehung im Sozialkunde- und Geschichtsunterricht ist. Im Rahmen einer eintägigen Klassenfahrt wählten die Klassen 9a und 9b der Realschule plus und FOS Kaisersesch mit ihren Geschichtslehrern David Hübel, Carina Niedt und Matthias Tittelbach das Schlachtfeld von Verdun als außerschulischen Lernort und gingen auf Spurensuche.

 

Das Ehepaar Bettina und Michael Hörter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge übernahm die Führung und stellte gleich zu Beginn heraus, „dass Frieden viel mehr ist, als die bloße Abwesenheit von Krieg. Das Bewusstsein für den Frieden muss immer wieder neu geschaffen und gefestigt werden.“ Im Jahr 1916 starben in der Schlacht um Verdun 700 000 Soldaten. Da nach dem Krieg die Gebeine von 130 000 Toten nicht mehr nach Person oder Nationalität identifiziert werden konnten, wurden die Knochen im Gebeinhaus zu Douaumont vereinigt. Der Weg zum Gebeinhaus führte die Jugendlichen durch Kraterlandschaften, Schützengräben und Unterstände, die ein erschütterndes Bild vom verfestigten Stellungskrieg erlaubten. Michael Hörter wies die Schüler darauf hin, dass Verdun eine Art „Gedenklandschaft“ darstellt, die im Bewusstsein der Franzosen eine enorm wichtige Rolle spielt. Die Aufmerksamkeit der Jugendlichen richtete sich auf die Reihe endloser Gräber, die sich unterhalb des Gebeinhauses befinden. Von eben jenem Soldatenfriedhof ging am 22. September 1984 ein bedeutendes Signal der Versöhnung aus, das seinerzeit die Welt tief bewegte. Damals hatten Francois Mitterrand und Helmut Kohl die Gefühle übermannt. Während oben über den Gräbern ein Trompetenspieler mit seinem Instrument die Totenklage in das unfreundliche Wetter blies, standen sie plötzlich Hand in Hand, der französische Staatspräsident und der deutsche Kanzler.

 

Welchen psychischen Belastungen die Soldaten in dieser Zeit ausgesetzt waren, erfuhren die Kaisersescher Schüler im Fort Douaumont. Die extreme Enge, schlechte Luft und die katastrophalen hygienischen Bedingungen, eine unzureichende Versorgung, der Wassermangel und Dauerbeschuss durch den Gegner machte das Leben der Soldaten zur Qual. Auf dem „Dach“ des Forts konnten die Schießanlagen und der zirka 37 Tonnen schwere ausfahrbare Geschützturm besichtigt werden, der eine Reichweite von sieben Kilometern besaß. Das völlig zerstörte Dorf Fleury lag 1916 voll auf der Frontlinie und war die letzte Ortschaft vor Verdun. Es gab wohl kaum ein Gebiet, das umkämpfter war als dieses. Allein 20 Mal, so erfuhren die Schüler, wurde Fleury hin und her erobert. Heute zeugen die weißen Markierungssteine von dem damaligen Straßenverlauf, die grauen Steine verweisen auf die zerstörten Häuser. Auf dem Gebiet des ehemaligen Bahnhofs von Fleury befindet sich das Memorial, das 1963 gebaut wurde. Französische Soldaten trugen viele persönliche Gegenstände zusammen, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Außerdem macht ein beinahe originalgetreuer Schützengraben das Grauen der damaligen Zeit erlebbar.

 

Die klassischen Unterrichtsmittel wie Bücher, Filme und Gespräche können die Dimension des Krieges nur begrenzt vermitteln. Nachhaltige Erziehung zum Frieden beinhaltet, dass die persönlichen Auswirkungen eines Krieges für junge Menschen anschaulich werden. Dazu gehören das Sterben, der Verlust der Gesundheit, Hunger, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, das Bangen um Angehörige und schließlich die Trauer um ihren Tod. Die Kaisersescher Schüler konnten durch den Besuch der ehemaligen Schlachtfelder von Verdun das Grauen des Krieges durch eigene Anschauung nun eher nachvollziehen.

 

Text: RZ Kreis Cochem-Zell vom Freitag, 23. Juni 2017, Seite 24

Foto: Realschule plus und FOS Kaisersesch

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