„Friede! Friede! Und es ist doch nicht Friede“

Ehre Kreis Ahrweiler gedenkt in Bad Bodendorf der Opfer von Krieg und Gewalt – Schülerin vertritt Rita Süssmuth

22. November 2017

Die Gedenkstunde des Kreises Ahrweiler an Volkstrauertag fand erneut auf dem Bad Bodendorfer Soldatenfriedhof statt. Foto: Vollrath

Rhein-Zeitung Kreis Ahrweiler vom Montag, 20. November 2017, Seite 9, Bericht Jochen Tarrach

Bad Bodendorf. „Sie sagen: ,Friede! Friede!‘, und es ist doch nicht Friede.“ Dieses in der heutigen Welt noch immer aktuelle Wort aus dem Buch Jeremia 6,14 stand als Leitmotiv über der Gedenkstunde des Kreises Ahrweiler zum Volkstrauertag auf dem Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf.

Zahlreiche Mitbürger hatten sich eingefunden, um mit Landrat Jürgen Pföhler, einer Abordnung der Bundeswehr sowie zahlreichen weiteren Gästen aus Politik und öffentlichem Leben der Opfer von Krieg und Gewalt durch Niederlegen von Kränzen zu gedenken. Umrahmt wurde die Feier vom Posaunenchor Bad Neuenahr sowie den Männergesangvereinen Bad Bodendorf, Sinzig und Löhndorf. Die angekündigte ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth hatte aus gesundheitlichen Gründen ihre Teilnahme kurzfristig absagen müssen.  

Sie schickte aber ihr Redemanuskript, das von Katharina Stiehl, Oberstufenschülerin des Peter-Joerres-Gymnasiums, verlesen wurde. Der nahe der Brücke von Remagen sowie den ehemaligen Rheinwiesenlagern gelegene, stilvoll hergerichtete Soldatenfriedhof mit seinen 1200 Gräbern eignet sich wie nur wenige andere Plätze im Kreis als Ort des öffentlichen Nachdenkens über globalen und sozialen Frieden.  

So klang der Gebetsruf von Dechant Achim Thieser, „Lass in unserer einen Welt die Waffen schweigen“, wie eine Aufforderung an alle Menschen, endlich ihre Differenzen zu überwinden und in gegenseitiger Achtung Frieden zu wahren. Für Landrat Pföhler spiegeln die Gräber in Bad Bodendorf letztlich nur einen kleinen Ausschnitt des unsäglichen Leids wider, das Menschen bis heute weltweit durch Kriege und Gewalt erfahren mussten und müssen.  

Zwar herrsche in Deutschland seit Jahrzehnten der so ersehnte Friede, aber global betrachtet sei die Welt nicht friedlicher geworden. Selten seien so viele Menschen auf der Flucht gewesen. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass einige Menschen und auch ganze Regierungen darauf mit Ratlosigkeit oder Verunsicherung, ja mit Abschottung und sogar mit neu aufkommenden Nationalismen reagierten. Ähnliches habe sich erst am Samstag wieder in Remagen gezeigt, als Vertreter der rechten Szene erneut ihren Aufmarsch inszenierten und dabei die Historie dieser Stadt in geschichtsverfälschende und fremdenfeindliche Parolen umgemünzt hätten.  

Trotz aller eindringlichen Friedensrufe für die Welt und die Menschen von morgen fällt auf, dass bei Gedenkfeiern wie die auf dem Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf die Jugend fast nicht zu sehen ist. Ein Grund dazu mag sein, dass der Abstand zum Zweiten Weltkrieg immer größer wird und für die Jugendlichen in unserem Land Frieden schon selbstverständlich ist. Für die Jugend in Deutschland ein Glücksfall. Rückblickend, so stellte Rita Süssmuth fest, sei es der Bonner Republik trotz vieler innerer und äußerer Probleme gelungen, demokratische Werte, Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land zu verankern und so einen großen Beitrag zur Friedensstabilisierung in Europa und der Welt zu leisten. Jedoch sei angesichts der aktuellen Ereignisse in der Welt viel zu lange daran festgehalten worden, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei.  

Die entsprechenden Gesetze und Integrationsmaßnahmen seien so zögerlich angegangen worden, dass diese Tatsache mitverantwortlich sei für die Wertekrise in Europa und die Zunahme von politischem Extremismus und Rassismus.

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